Anrufe wegen Rohrsanierungen enden auf zwei sehr unterschiedliche Arten. Im ersten Fall kommt der Auftragnehmer ohne Voruntersuchung, arbeitet mit dem, was er mitgebracht hat, und stellt irgendwann fest, dass er die falschen Reinigungswerkzeuge dabei hat, die Rohroberfläche nicht ausreichend vorbereitet ist oder dass das eigentliche Problem ganz anders aussieht als von außen vermutet. Im zweiten Fall beginnt das Projekt mit einer Kamerabefahrung — und jeder folgende Schritt ergibt sich logisch aus ihrem Befund. Der Unterschied zwischen diesen beiden Szenarien liegt nicht nur in der Qualität des Ergebnisses. Er liegt darin, wer zwei Jahre später wieder angerufen wird — und ob überhaupt ein Anruf nötig ist.
Warum systematisches Vorgehen sich rechnet
Grabenlose Rohrsanierung ist keine einzelne Technik, sondern ein System aufeinander abgestimmter Verfahren und Werkzeuge. Bei beschädigter Rohrwandung ist die Reinigung nur die Vorbereitung — ohne Sanierung bleibt das eigentliche Problem bestehen. Beschichtung ohne gründliche Reinigung ist eine vorprogrammierte Reklamation. Inspektion ohne Dokumentation ist verlorenes Wissen. Jede Phase hat nur dann ihren vollen Wert, wenn sie korrekt in den Gesamtablauf eingebettet ist.
Netzbetreiber und Liegenschaftsverwaltungen, die auf ein systematisches Vorgehen umgestellt haben, verzeichnen deutlich längere Intervalle zwischen Eingriffen und kaum Nacharbeiten an abgenommenen Projekten. Was folgt, ist ein praxisnaher Überblick darüber, was dieser systematische Ansatz auf der Baustelle konkret bedeutet — Phase für Phase.
Sechs Phasen eines professionellen No-Dig-Projekts
Kamerabefahrung — Diagnose vor dem Eingriff
Jedes grabenlose Sanierungsprojekt beginnt mit der Kamera. Das ist keine Formalität — es ist die einzige belastbare Grundlage für die Planung aller folgenden Schritte. Die TV-Inspektion erfasst Nennweite und Rohrmaterial, Art und Stärke von Ablagerungen, Lage und Art von Schäden (Risse, Korrosion, Verformungen), Zustand der Rohrverbindungen und Vorhandensein von Hausanschlüssen. Der Befund wird klassifiziert — üblicherweise nach DIN EN 13508-2 — und bildet die Grundlage für Verfahrenswahl und Geräteauswahl.
Ohne TV-Befund wissen Sie nicht, welches Kettenwerkzeug für die Reinigung geeignet ist, welches Beschichtungssystem passt oder ob eine grabenlose Sanierung überhaupt machbar ist. Jedes Angebot ohne vorherige Befahrung ist eine Schätzung auf Basis von Annahmen — und Annahmen bei der Rohrsanierung sind teuer.
Hochgeschwindigkeitsreinigung mit Ketten
Wenn der Rohrzustand bekannt ist, wählen Sie das Werkzeug. Bei den meisten Projekten, die auf eine Epoxidharz-Beschichtung vorbereitet werden sollen, bedeutet das: Hochgeschwindigkeits-Kettenfräsen mit dem NoDig V8, V1 oder mini6 — je nach Nennweite und Zugangsbedingungen. Rotierende Ketten tragen mechanisch Ablagerungen ab, die chemisch mit der Rohrwandung verbunden sind: Kalkablagerungen, Korrosionsprodukte, Biofilm. Das ist grundlegend verschieden von dem, was Hochdruckspülung leisten kann: Spülung entfernt lose Ablagerungen und Verstopfungen, bereitet aber die Oberfläche nicht für die Haftung von Epoxidharz vor.
Anzahl der Durchläufe und Kettentyp werden aus dem TV-Befund abgeleitet. Der Abschlussstandard ist nicht „drei Durchläufe absolviert" — sondern „Kamera bestätigt gleichmäßige, trockene Rohrwandung ohne Rückstände." Alles darunter gefährdet die Haftfestigkeit, und eine Beschichtung mit unzureichender Haftung versagt nicht allmählich, sondern schlagartig.
Kontrollbefahrung nach der Reinigung
Die Kamera fährt erneut ein — diesmal nicht zur Diagnose, sondern zur Bestätigung. Die Kontrollbefahrung dokumentiert den Zustand der Rohrwandung nach der Reinigung und bildet die formale Grundlage für den Übergang zur Beschichtungsphase. Verbleiben noch Ablagerungen, wird weiter gereinigt. Es gibt hier keinen Spielraum: Jede Stelle, die nicht korrekt gereinigt ist, ist ein potenzieller Ablösungspunkt innerhalb weniger Jahre.
Die Kontrollbefahrung ist zugleich Bestandteil der Projektdokumentation. Ohne sie gibt es keinen formalen Nachweis, dass die Reinigung dem geforderten Standard entspricht — was sowohl für die Qualitätssicherung als auch für spätere Gewährleistungsansprüche relevant ist.
Trocknung und Oberflächenkonditionierung
Epoxidharz haftet nicht auf feuchtem Untergrund — das ist elementare Polymerchemie, kein bloßer Vorsichtshinweis. Trocknung ist obligatorisch. Je nach Situation kommen Warmluftgebläse, Druckluft oder eine kontrollierte natürliche Trocknungsphase zum Einsatz. Bei winterlichen Bedingungen oder Kondenswasser auf kühlen Rohrwänden kann die Verwendung eines geeigneten Haftgrunds erforderlich sein. Das BSE-Epoxidsystem-Technisches Merkblatt und der TV-Befund geben gemeinsam vor, welches Konditionierungsprotokoll anzuwenden ist.
Epoxidharz-Innenbeschichtung — Bürstenverfahren oder Schleuderverfahren
Die zentrale Phase des Projekts. Das BSE-Epoxidharz wird mit der ProLight- oder ProLight2-Maschine aufgetragen — entweder im Bürstenverfahren oder im Schleuderverfahren. Die Wahl richtet sich nach Nennweite, Rohrwandzustand und geforderter Schichtdicke.
Bürstenverfahren: Durch Rotation eines Bürstenkopfs wird ein durchgehender, gleichmäßiger Epoxidfilm über den gesamten Rohrumfang aufgetragen. Anwendbar bei den meisten Profilen; das Standardverfahren für glatte bis gering aufgeraute Oberflächen ohne ausgeprägte Unregelmäßigkeiten.
Schleuderverfahren: Durch Zentrifugalversprühung über den ProH2O-Sprühkopf und ein Zentrierstück wird eine dickere, gleichmäßigere Schicht erzeugt. Das Zentrierstück ist hier entscheidend: Es hält den Sprühkopf unabhängig von Höhenversatz oder Profilunregelmäßigkeiten zentriert in der Rohrachse und gewährleistet so eine konsistente Schichtdicke über den gesamten Umfang. Dieses Verfahren kommt bei anspruchsvolleren Rohrzuständen oder bei geforderter Mindestschichtdicke zum Einsatz.
BSE ist ein zweikomponentiges Epoxidharz, das speziell für Anwendungen in der Abwasserinfrastruktur entwickelt wurde — beständig gegen die chemische Aggressivität von Kanalgasen, Abrasion und Temperaturwechsel. Die angegebene Nutzungsdauer von 25–50 Jahren ist keine Marketingaussage, sondern eine durch Alterungsprüfungen belegte Materialeigenschaft.
Abschlussbefahrung und Übergabedokumentation
Das Projekt ist erst abgeschlossen, wenn die Kamera es bestätigt. Die Abschlussbefahrung — nach vollständiger Aushärtung des Epoxids — dokumentiert Erscheinungsbild und Bedeckungsgrad der Beschichtung, bestätigt, dass keine Ablösungsstellen vorhanden sind, und hält fest, welche Hausanschlüsse wieder geöffnet wurden. Diese Aufnahme wird Teil der formalen Übergabedokumentation an den Auftraggeber.
Die vollständige Projektdokumentation umfasst: TV-Inspektion vor den Arbeiten mit Schadensklassifizierung, Reinigungsprotokoll, Kontrollbefahrung, Applikationsprotokoll (Mischungsverhältnisse, Temperatur, Schichtdicke) und Abschlussbefahrung. Für kommunale Auftraggeber ist das Voraussetzung für die Abnahme. Für private Auftraggeber ist es der Nachweis, dass sie das erhalten haben, wofür sie bezahlt haben.
Sechs Phasen — eine Gewährleistung
Jede Phase dieser Abfolge hat einen konkreten Zweck und kann weder ersetzt noch übersprungen werden, ohne das Endergebnis zu gefährden. Das ist keine Bürokratisierung von Bauprozessen — es ist die einzige Grundlage für das, was am Ende zählt: die Gewähr, dass das Rohr so lange funktioniert, wie es geplant wurde.
Was das für wachstumorientierte Auftragnehmer bedeutet
Es gibt einen echten Unterschied zwischen einem Betrieb, der „Verstopfungen beseitigt", und einem, der „Infrastruktur saniert". Der Unterschied liegt nicht nur in der Ausrüstung — sondern in dem, was Sie dem Auftraggeber bieten. Vollständige Projektdokumentation, eine Haltbarkeit der Sanierung wie bei einem neuen Rohr und eine Referenzliste für kommunale Auftraggeber — das sind die Faktoren, die ein Unternehmen vom „Notfalldienst bei Störungen" zum „strategischen Partner für das Abwassernetzmanagement" machen.
Netzbetreiber und Wohnungsbaugesellschaften fordern genau das zunehmend ein. Ausschreibungen zur Kanalnetzrehabilitation verlangen nahezu durchgängig TV-Dokumentation vor und nach den Arbeiten, Reinigungsnachweise und Applikationsprotokolle. Wer diese Unterlagen nicht vorlegen kann, kommt für solche Aufträge nicht in Frage — unabhängig von der tatsächlichen Ausführungsqualität.
Der entscheidende Moment ist nicht die Vertragsunterzeichnung. Er ist der Moment, in dem der Auftraggeber die Übergabemappe öffnet und sagt: „Genau das habe ich mir vorgestellt."
NoDig-Ausrüstung — V8, V1, mini6 für die Reinigung; ProLight und ProLight2 für die Epoxidbeschichtung; BSE-Epoxidsystem; Zentrierstücke für das Schleuderverfahren — ist als kohärentes System konzipiert. Die Kompatibilität ist kein Zufall: einheitliche Zugangsöffnungen, konsistente Nennweitenbereiche, ein durchgängiges Materialsystem. Betriebe, die den gesamten Prozess mit NoDig-Ausrüstung durchführen, wechseln nicht zwischen Systemen — sie sprechen von der ersten Befahrung bis zur Übergabe dieselbe technische Sprache.
Hochgeschwindigkeitsreinigung — Maschinen und Anwendungen Epoxidharz-Rohrsanierung — ProLight und BSE-System Weiterlesen: Warum Kettenfräsen nicht dasselbe ist wie HochdruckspülungDas vollständige NoDig-System — von der Reinigung bis zur Sanierung
Reinigungsmaschinen, Epoxidbeschichtungsgeräte und das BSE-Materialsystem — entwickelt und gefertigt in Osijek. Vertrieb in 15+ europäischen Ländern.
Häufig gestellte Fragen
Die Dauer hängt von Haltungslänge, Rohrzustand und Verfahren ab. Ein typisches Projekt auf einer Haltung von 50–100 Metern — von der Voruntersuchung bis zur Übergabedokumentation — wird in ein bis zwei Arbeitstagen abgeschlossen. Größere kommunale Projekte mit mehreren Haltungen werden etappenweise abgewickelt, um Betriebsunterbrechungen zu minimieren.
Eine fachgerecht ausgeführte Epoxidharz-Innenbeschichtung auf korrekt vorbereiteter Oberfläche hat eine nachgewiesene Nutzungsdauer von 25–50 Jahren, abhängig von Rohrmaterial und Betriebsbedingungen. Entscheidend ist die mechanische Kettenfräsung vor der Beschichtung — ohne diese Vorbereitung erreicht die Beschichtung nicht die erforderliche Haftfestigkeit.
Das Bürstenverfahren eignet sich für glatte oder gering aufgeraute Profile, bei denen ein gleichmäßiger dünner Film ausreicht. Das Schleuderverfahren mit Zentrierstück liefert eine dickere, gleichmäßigere Schicht und kommt bei anspruchsvolleren Rohrzuständen oder höherer Mindestschichtdicke zum Einsatz. Die Verfahrenswahl ergibt sich aus dem Befund der Kamerabefahrung.
Die Sanierung erfordert eine Absperrung der Haltung und eine trockene Rohroberfläche. Bei Abwasserleitungen bedeutet das eine temporäre Umleitung oder koordinierte Außerbetriebnahme. Die eigentliche Applikation ist kurz und hält die Betriebsunterbrechung auf ein Minimum. Bei Trinkwasserleitungen erfolgt die Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
Je nach Schadensgrad — Risse, Bruch, Verformung — kann Epoxidharz-Relining nach vorheriger Punktsanierung noch anwendbar sein, oder das Projekt erfordert ein Schlauchlining-Verfahren (CIPP) für schwerwiegendere Strukturschäden. Die TV-Inspektion mit Schadensklassifizierung nach DIN EN 13508-2 liefert die Grundlage für die Verfahrensentscheidung.