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Schleuderverfahren und Brush Coating sind zwei Ausführungen derselben Idee — Epoxidharz durch einen vorhandenen Zugang auf die Rohrinnenwand aufzubringen, ohne Aufgrabung. Der Unterschied liegt darin, wie das Harz an die Wandung gelangt. Beim Schleuderverfahren übernimmt das die Zentrifugalkraft, und dieser eine Unterschied bestimmt, für welche Nennweiten, Geometrien und Haltungslängen das Verfahren geeignet ist — und für welche nicht.

Was das Schleuderverfahren ist und warum es SIPP heißt

Das Schleuderverfahren (international auch Spray Lining) ist ein grabenloses Verfahren, bei dem zweikomponentiges Epoxidharz mit einem rotierenden Schleuderkopf auf die Rohrinnenwand aufgebracht wird. Der Kopf wird mit konstanter Geschwindigkeit durch die Haltung gezogen, während die Zentrifugalkraft das Harz gleichmäßig über den gesamten Umfang verteilt. Fachlich wird das Verfahren auch als SIPP — Spray-in-Place Pipe — geführt, weil die neue Wandung an Ort und Stelle im vorhandenen Rohr entsteht.

DN100–DN300
Nennweitenbereich, in dem das Schleuderverfahren am besten arbeitet
1
Durchgang genügt für eine gleichmäßige Schicht über den gesamten Umfang
25–50
Jahre rechnerische Nutzungsdauer einer fachgerecht ausgeführten Beschichtung
Rotierender Schleuderkopf bringt Epoxidharz auf die Rohrinnenwand auf

Ablauf — Schritt für Schritt

  1. Zugang und Absperrung des Haltungsabschnitts Der Abschnitt wird außer Betrieb genommen und über eine vorhandene Öffnung erschlossen — Revisionsschacht, Reinigungsöffnung oder abgetrennter Anschluss. Es wird nicht aufgegraben.
  2. Mechanische Reinigung der Rohrwandung Die Hochgeschwindigkeits-Kettenfräsung entfernt Kalkablagerungen, Korrosion und Biofilm. Ohne diesen Schritt findet das Epoxidharz keinen Haftgrund — unabhängig vom Auftragsverfahren.
  3. TV-Kontrolle der Wandung Die Kamera bestätigt, dass die Reinigung eine gleichmäßige Oberfläche erzeugt hat und keine strukturellen Schäden vorliegen, bei denen eine Beschichtung das falsche Mittel wäre.
  4. Trocknung und Konditionierung Die Wandung muss trocken sein. Standard-Epoxidharze haften nicht auf feuchten Oberflächen, und Restfeuchte ist mit bloßem Auge nicht immer erkennbar.
  5. Ziehen des rotierenden Schleuderkopfs Der Kopf wird mit konstanter Geschwindigkeit rotierend gezogen, die Zentrifugalkraft verteilt das Harz über den gesamten Umfang. Die Kamera läuft unmittelbar hinter dem Kopf, sodass die Schicht in Echtzeit beurteilt wird.
  6. Aushärtung und Abnahmebefahrung Die Haltung geht erst nach vollständiger Polymerisation wieder in Betrieb. Die abschließende TV-Inspektion dokumentiert die Durchgängigkeit der Beschichtung.
Rohr vor und nach der Epoxidharz-Sanierung — korrodierte Wandung und glatte Beschichtung

Warum das Schleuderverfahren eine glatte Wandung erzeugt

Beim Brush Coating verteilt ein rotierender Bürstenkopf das Harz mechanisch auf der Wandung. Das ergibt eine leicht texturierte Oberfläche und eine hohe Schichtkontrolle — mehrere Durchgänge und punktuelle Korrekturen sind möglich.

Beim Schleuderverfahren verteilt die Zentrifugalkraft das Harz. Der Kopf rotiert, das Harz wird nach außen geschleudert und legt sich gleichmäßig über den gesamten Umfang. Die Oberfläche wird glatt, die Schicht bereits in einem Durchgang gleichmäßig.

Eine glatte Wandung ist kein kosmetischer Effekt. Geringere Rauheit bedeutet weniger Strömungswiderstand, sodass die sanierte Leitung ihre hydraulische Leistungsfähigkeit behält, statt sie gegen Schichtdicke einzutauschen.

Wo das Schleuderverfahren im Vorteil ist

Wo seine Grenzen liegen

Das Schleuderverfahren ist nicht „besser“ als Brush Coating

Die beiden Verfahren stehen nicht in Konkurrenz, sie ergänzen sich. Die Wahl richtet sich nach Geometrie und Nennweite der Leitung, nicht nach der Gewohnheit des ausführenden Betriebs, und sie wird auf Grundlage der TV-Inspektion getroffen — nicht danach, welcher Kopf gerade montiert ist. Deshalb unterstützen ProLight und ProLight2 beide.

Schichtdicke und Ziehgeschwindigkeit sind keine Ermessensfrage

Die Schichtdicke ergibt sich aus drei Parametern, die zusammenpassen müssen: Ziehgeschwindigkeit des Kopfs, Rotationsgeschwindigkeit und Materialdurchsatz. Wird einer davon ohne die beiden anderen verändert, wird die Schicht ungleichmäßig — an einer Stelle zu dünn, an einer anderen zu dick.

Deshalb läuft die Kamera unmittelbar hinter dem Schleuderkopf. Der Auftrag wird nicht nach Gefühl geschätzt, sondern während der Ausführung beurteilt, und eine Abweichung wird sofort korrigiert statt bei der Abnahme festgestellt, wenn das Harz bereits abgebunden hat.

Dasselbe gilt für das Mischungsverhältnis der beiden Epoxidkomponenten — das ist ein chemisch festgelegtes Verhältnis, keine Einstellung nach Bedarf.

Ausrüstung und Material

ProLight deckt DN40–DN125 ab, ProLight2 DN40–DN150. Beide Maschinen unterstützen Brush Coating und Schleuderverfahren, sodass sich das Verfahren nach der Leitung richtet und nicht danach, was gerade im Fahrzeug liegt.

Für größere Nennweiten und längere Haltungen steht The Pipe Boy zur Verfügung, DN50–DN300.

BSE steht für Brush Spray Epoxy — ein zweikomponentiges Epoxidharz, das für beide Auftragsverfahren entwickelt wurde, sodass das Material nicht wechselt, wenn der Kopf wechselt.

BSE — Brush Spray Epoxy, zweikomponentiges Epoxidharzsystem für beide Auftragsverfahren

Das Verfahren wählt nicht die Gewohnheit — es wählt die Geometrie der Leitung.

Epoxidharz-Rohrsanierung — ProLight und das BSE-System Brush Coating — Funktionsprinzip und Einsatzbereiche Hochgeschwindigkeits-Rohrreinigung — Vorbereitung der Wandung Weiterlesen: Fünf Fehler, die eine Epoxidharz-Rohrsanierung scheitern lassen

Ausrüstung für beide Verfahren

ProLight, ProLight2 und The Pipe Boy decken DN40 bis DN300 ab, und das BSE-Epoxidharz ist für Bürste und Schleuderkopf gleichermaßen entwickelt — dasselbe Material, dieselbe Dokumentation, derselbe Ausführungsstandard.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheiden sich Schleuderverfahren und Brush Coating?

Im Auftragsprinzip. Beim Brush Coating verteilt ein rotierender Bürstenkopf das Epoxidharz mechanisch auf der Wandung, beim Schleuderverfahren verteilt es die Zentrifugalkraft gleichmäßig über den gesamten Umfang. Daraus folgt alles Weitere: Das Schleuderverfahren liefert auf geraden Haltungen eine glatte Oberfläche und eine gleichmäßige Schicht in einem Durchgang, die Bürste bietet mehr Kontrolle bei Bögen und unregelmäßiger Geometrie.

Für welche Nennweiten ist das Schleuderverfahren geeignet?

Der optimale Bereich liegt bei DN100–DN300. Darunter verschiebt sich der Vorteil zum Brush Coating, das im Bereich DN40–DN150 optimal arbeitet. Die NoDig-Ausrüstung deckt mit ProLight, ProLight2 und The Pipe Boy den gesamten Bereich von DN40 bis DN300 ab.

Lässt sich das Schleuderverfahren bei Bögen und Abzweigen einsetzen?

Technisch ist es möglich, bei unregelmäßiger Geometrie bietet Brush Coating jedoch die bessere Schichtkontrolle, weil die Bürste der Wandung physisch folgt. Die Entscheidung fällt anhand der TV-Inspektion — bei mehreren Bögen oder Seitenzuläufen ist die Bürste in der Regel die sichere Wahl.

Wie lange hält eine im Schleuderverfahren aufgebrachte Epoxidharz-Beschichtung?

Die rechnerische Nutzungsdauer einer fachgerecht ausgeführten Epoxidharz-Beschichtung liegt bei 25 bis 50 Jahren. Entscheidend ist nicht das Auftragsverfahren, sondern die Vorbereitung der Wandung — ohne gründliche mechanische Reinigung und trockenen Untergrund erreicht kein Verfahren die vorgesehene Haftfestigkeit.